Da steht sie nun - die lustige, kleine Frau aus dem tiefen Süden. Die Tochter des Feuers. Die feuerhaarige Göttin aus Graz. All diese Titel haben wir Michael von Baumwollseil.de zu verdanken und ganz Unrecht hat er ja auch nicht. Ich frage mich ob ich nicht doch lieber mit den Worten hätte beginnen sollen, die Lena versucht hat mir in den Mund zu legen: Atemberaubend, wunderschön, die beste Frau der Welt, großherzig, bezaubernd, charmant und umwerfend steht sie nun da ... nein. Die Titel von Michael sind weitaus passender! Doch um an dieser Stelle die beste Band der Welt zu zitieren - wie hat das alles angefangen?


Anfangs war ich noch genervt von gefühlt hundert kleinen schwarzen Perlen am Boden die sich unter nackten Füßen witzig und unter Schuhen gefährlich anfühlen. Auch tendieren diese kleinen schwarzen Perlen dazu, immer weiter in unser Leben vorzudringen. Ich fand sie irgendwann am Sofa und schließlich auch im Bett. Das ging selbst mir zu weit! Irgendwann später sollte ich herausfinden, dass diese von der Spitze der "Leather and lace" Kollektion stammen und auf unergründliche Weise stets den Weg aus der Werkstatt in unsere Wohnung finden, aber ich habe inzwischen gelernt mit ihnen zu leben. Vielleicht schreibe ich eines Tages eine populationsgenetische Doktorarbeit über deren Verbreitung. Ich habe auch gelernt Wörter wie "Kövulfix" und "Frankenschaum" nicht mehr seltsam zu finden und auch Lenas Arbeitshose mit den großen schwarzen Flecken am Hintern und an den Oberschenkeln - getränkt in Spülwasser aus der Lederreinigung - habe ich inzwischen lieb gewonnen. Manchmal hadere ich noch mit dem ganz besonderen Bouquet, das sich nach einem ganzen Tag am Lasercutter sanft in ihren langen, feuerroten Haaren einnistet. Mein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle den Herstellern von Haarpflege-Produkten.


Früh habe ich mich damit abgefunden, dass ich im Lebens eines penumbra Workaholics immer nur an zweiter Stelle stehen werde. An erster Stelle steht die Arbeit und auch wenn ich mich sonst gerne großen Herausforderungen stelle - es gibt Grenzen! Dafür nimmt ein echter penumbra Workaholic die Arbeit sehr ernst und entwickelt auch so seine Eigenheiten. Man lernt mit der Zeit die wahre Bedeutung hinter Aussagen wie: "Ich nähe noch ein Halsband, dann bin ich fertig!" zu verstehen und darauf angemessen zu reagieren. Während man anfangs noch naiv gewartet hätte bis die sogenannte "Fertigstellung" eintritt so kann man sich heute entspannt zurücklehnen und in freudiger Erwartung des Eintreffens dieses Umstandes die gesammelten Werke von Tolkien lesen - in Deutsch und Englisch.


Es hat aber auch durchaus seine Vorteile mit einem penumbra Workaholic zu leben. Welcher Mann kann schon von sich behaupten, dass er den Faden einer Industrienähmaschine wechseln kann oder stolzer Besitzer von maßgefertigten Jogginghosen ist - denn um seinen Hobbys nachzugehen muss ein penumbra Workaholic nichtmal die Werkstatt verlassen! In seinem natürlichen Habitat geht er kreativen Beschäftigungen nach und lebt in der Regel von biologischem Nähgarn und Doppelhohlnieten.


Sehr wichtig ist auch die artgerechte Haltung eines penumbra Workaholics. So ist es notwendig, diesen regelmäßig mit warmem Tee zu versorgen - ungeachtet der Jahreszeit. Damit der penumbra Workaholic seinen Tee im Chaos der Werkstatt auch leicht finden kann empfiehlt sich die Verwendung von möglichst überdimensionierten Teetassen in knallbunten Farben. Größenordnungen um die 750 ml haben sich in der Praxis als funktional erwiesen. In Zeiten von erhöhtem Arbeitsaufkommen ist es darüber hinaus ratsam, den penumbra Workaholic zwischendurch mit Schokolade zu füttern um ihn bei Laune zu halten.


Ich habe herausgefunden, dass penumbra Workaholics auch eine sehr ausgeprägte soziale Seite besitzen. So verbringen diese nach 8 bis 10 Stunden in der Werkstatt noch sehr viel Zeit vor dem Computer um Kundenanfragen zu beantworten. Sie versenden hunderte Design-Entwürfe und besitzen eine stoische Ruhe wenn es darum geht die Vorstellungen Anderer in ein fassbares Werkstück umzusetzen. Einer der niedlichsten Momente ist jener, wenn ein penumbra Workaholic von zufriedenen Kunden Nachrichten erhält, wo diese erzählen wie sehr sie sich über ein Produkt von penumbra gefreut haben. Dies veranlasst den penumbra Workaholic dazu, seltsame Geräusche von sich zu geben, die meist gepaart mit hüpfenden Bewegungen auftreten. Eine entsprechende Videoaufnahme davon der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen wurde mir von höherer Stelle verboten. Vermutlich wäre das auch zu viel Niedlichkeit für die Welt.


Nach getaner Arbeit tendiert der penumbra Workaholic dazu, in eine Art Lademodus zu verfallen. Diesen regenerativen Zustand verlässt der penumbra Workaholic in der Regel erst nach 6 bis 8 Stunden. Bemühungen diesen Zustand vor Ablauf der Zeit zu beenden sind bislang kläglich gescheitert. Weder Licht noch Lärm zeigten Wirkung. Bei sanften Berührungen in diesem Zustand tendiert der penumbra Workaholic dazu, schnurrende Laute von sich zu geben was beizeiten durchaus beruhigende Wirkung auf andere Menschen in der näheren Umgebung haben kann. Bemühungen, einen penumbra Workaholic nebenberuflich in der Schlaftherapie einzusetzen, wurden bereits in die Wege geleitet.


Generell ist das Leben mit einem penumbra Workaholic niemals langweilig. Man muss sich lediglich mit einer schier unendlichen Quelle an Euphorie und Positivismus arrangieren. Abschließend komme ich zu dem Fazit, dass penumbra Workaholics zu den liebenswertesten Geschöpfen überhaupt zählen.